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2010: Wissenschaft & Gestaltung

Was ist Wissenschaft? Wie lassen sich wissenschaftliche Forschungsansätze und Ergebnisse visuell kommunizieren? Mit welchen Methoden wird in unterschiedlichen wissenschaftlichen Disziplinen gearbeitet? Lassen sich Methoden anderer Disziplinen auf das Design übertragen? Was bedeutet Forschung im Design? Lassen sich Arbeitsansätze des Designs in anderen wissenschaftlichen Disziplinen anwenden?
Der erste Jahrgang des Masterstudiengangs Gutenberg-Intermedia widmet sich der Wechselwirkung von Wissenschaft und Gestaltung. Dazu bietet Mainz als »Stadt der Wissenschaft 2011« den idealen Rahmen. An diesem überregionalen Ereignis werden die Studierenden aktiv mitwirken, u.a. indem sie das Thema »Wissenschaft« im Stadtraum kommunizieren. Zusammen mit wissenschaftlichen Einrichtungen werden sie gestalterisch verwendbare Daten recherchieren und daraus ortsbezogene Projekte entwickeln, um neue Formen der Kommunikation und Interaktion im öffentlichen Raum erforschen und exemplarisch umsetzen zu können. Denkbar sind etwa klassische Plakat-Kampagnen, typografische, zeichnerische oder fotografische Arbeiten bis hin zu Computer gesteuerten Datenvisualisierungen.

Finis skop: „Ich hätte nie gedacht, dass es so groß wird.“

Mit einer Finissage ging das „skop – Kommunikationslabor für Wissenschaft und Gestaltung” am Donnerstag zu Ende.

Mehr als drei Monate haben 15 Masterstudenten der Fachhochschule Mainz in den Markthäusern vor einem interessierten Publikum geplant, recherchiert, entworfen und produziert – und das Ergebnis kann sich sehen lassen: Eine 13 Meter hohe grün-weiße Papier- Installation empfängt die Besucher schon im Erdgeschoss, im Untergeschoss warten die Studenten mit einem visuellen Feuerwerk an spannend gestalteter Wissenschaft auf. Eine überdimensionale Wandzeitung gewährt Einblicke in abgeschottete wissenschaftliche Einrichtungen und macht Unsichtbares sichtbar, eine interaktive Installation ermöglicht das Experimentieren mit Klassifizierungen. Eine Wunderkammer zeigt Kuriositäten aus Mainzer Sammlungen, Fotografien lassen den Besucher hinter die Türen sonst verschlossener    Archive    blicken    und    Bilder    visualisieren wissenschaftliche Thesen. Neben der beeindruckenden Umsetzung der Einzelprojekte ist es vor allem die Vielfalt, die die Besucher begeisterte.

Auch für die Studierenden war das Projekt im Rahmen ihres Masterstudiums „Gutenberg-Intermedia” eine besondere Erfahrung. „Das Interessante für mich war, dass uns die Leute bei der Arbeit
quasi über die Schulter schauen konnten und wir nicht erst die fertigen Projekte präsentiert haben“, sagt der Student Jan Erlinghagen.

Doch das skop bestand nicht nur aus den 14 Projekten. Integriert wurden auch insgesamt zwölf Abendveranstaltungen mit Vorträgen, einem Science Slam und Filmvorführungen, die sich mit wissenschaftlichen und gestalterischen Themen befassten. Ziel des Projektes war es ja, den Mainzern die Wissenschaft gestalterisch näher zu bringen und zu zeigen, dass Design und Wissenschaft sich nicht fremd sein müssen. Professor Phillip Pape ist überzeugt, dass das Konzept aufgegangen ist: „Die Master-Studierenden haben das schwierige Thema Wissenschaft mit den Möglichkeiten des Designs in das Herz von Mainz gebracht“, sagt er. Und die rund 2000 Besucher aller Altersklassen, die das skop zwischen April und Juni besucht haben, geben ihm Recht. Phillip Pape hofft, dass der Erfolg des skop sich in weiteren Kooperationen von wissenschaftlichen Instituten, der Stadt und den Bürgern niederschlägt: „Das Kommunikationslabor als Gesamt-Experiment hat gezeigt, dass man solche Freiräume für die Wissenschaft, für die Studierenden der Region, aber auch für das Publikum, noch häufiger bräuchte.“

Ohne die Unterstützung der Landeshauptstadt Mainz, der Wohnbau Mainz und der Entega sowie der Hilfe von rund 80 wissenschaftlichen Einrichtungen in Mainz hätte sich so ein Projekt aber nicht realisieren lassen. „Alleine hätten wir das kaum bewältigen können“, sagt Professor Phillip Pape. „Das war schon eine Menge Arbeit“, sagt Jan Erlinghagen, „ich hätte nie gedacht, dass es so groß wird“, freut er sich.

\ Juli 1st, 2011
\ Ruth P.
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Stereo skop präsentierte: Die Schönheit des Unsichtbaren

Am 11. Mai 2011 fand im skop der erste Vortrag der Reihe Stereo skop statt, bei der die Berührungspunkte und die Unterschiede zwischen Wissenschaft und Gestaltung untersucht werden. Im Rahmen der Vortragsreihe werden je ein Wissenschaftler und ein Gestalter eingeladen, über ein für beide relevantes Thema zu referieren und diskutieren.
Den Anfang machten Dr. Ludger Derenthal, Studium der Kunstgeschichte und Geschichte in Bonn, seit 2003 Leiter der Sammlung Fotografie der Kunstbibliothek, staatliche Museen zu Berlin, und das Künstlerduo M+M aus München, die sich über »Die Schönheit des Unsichtbaren« austauschten.
Dr. Derenthal gab zunächst einen kurzen Einblick in das berliner Museum für Fotografie, in dem sich heute Werke Helmut Newtons befinden, sowie Fotografien vom 19. bis 21. Jahrhundert.
Von Oktober 2010 bis Januar 2011 fand in den Räumlichkeiten des Museums die Ausstellung »Mikrofotografie. Schönheit jenseits des Sichtbaren« statt. Bei der Mikrofotografie wird durch ein Mikroskop hindurch fotografiert, was Aufnahmen von kleinsten Objekten ermöglicht. Zudem konnte durch das Mikroskop in der Vergangenheit tiefer geforscht werden als vorher und die Erkenntnisse durch die Mikrofotografie genauer als jede Zeichnung wiedergegeben werden.
Von einer Aufnahme der ältesten Mikrofotografie (ca. 1840, Andreas Ritter von Ettinghausen), über Fotografien um 1900, hinter denen eine naturwissenschaftliche, künstlerische und lebensbiologische Vorstellung stand, sowie Mikrofotografien aus der Nachkriegszeit, mit denen versucht wurde über dramati-sierende Titel ein Stück Zeitgeschichte in Fotografie zu übersetzen, reichte das Spektrum der Ausstellung bis hin zu Aufnahmen moderner Rasterelektronenmikroskope.
Dr. Derenthal betonte, dass Wissenschaftler bereits in der Frühzeit der Mikrofotografie gestalterisch-ästhetische Eingriffe vornahmen, in dem sie beispielsweise einen rechteckigen Bildausschnitt aus der ursprünglich runden Mikroskop-aufnahme auswählten und somit auch ein Oben und Unten im Bild bestimmten.
Die Einfärbung einer eigentlich schwarz-weißen Rasterelektronenmikroskopaufnahme ist ein ästhetischer Eingriff unserer Zeit. So wurden beispielsweise Pollen auf einem Mikrofoto nachträglich giftgrün eingefärbt und damit als gefährlich interpretiert. Andere Mikrofotografen hingegen verändern die Aufnahme farblich nicht und heben durch die schwarz-weiß Kontraste die skulpturale Wirkung des Motivs hervor. Abschließend betonte Derenthal, dass sich durch die Mikrofotografie große Möglichkeiten aufgetan hätten, die bis heute sowohl von künstlerischen als auch von naturwissenschaftlich orientierten Fotografen genutzt werden.
M+M, was für Marc Weis und Martin de Mattia steht, arbeiten seit den 1990er Jahren als Duo zusammen. Sie suchten schon immer den Brückenschlag zu anderen Disziplinen wie Musik, Theater und Wissenschaft, Literatur und Spielfilm. Sie setzen sich zum Beispiel mit »unsichtbaren« Raumbereichen auseinander, in die man sonst nicht eindringen kann, wie das Körperinnere, das Telefonnetz oder andere vernetzte Bereiche.
Als Beispiele zeigten sie ihre Arbeit »Abgabe – Eingabe«, in der sie über drei Aktionen – Spermaspende, signierte Hüftprothese, Blutspende – in die Schönheit des menschlichen Körpers eindrangen. »Autobahnschleife« ist das Konzept zu einer Intervention in das Autobahnnetz in der Nähe von Venedig in Form einer 360° Kurve, unter Mithilfe eines Hochbauingenieurs. Zusammen mit einem Meteorologen haben sie eine Maschine entwickelt, die in zeitlichen Abständen eine »Duftwolke« über dem bayerischen hochalpinen Land abgibt. Noch diverse andere Arbeiten wurden vorgestellt, die mit Naturwissenschaften zu tun hatten. M+M haben bei der Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern immer die aus deren Arbeitsweise hervorgehenden Elemente wie Diagramme und technische Zeichnungen in ihr Kunstwerk integriert und sich so die Ästhetik der Wissenschaft übernommen, somit blieb ihr eigener ästhetischer Eingriff minimal. 2000 entstand die Arbeit »Der Johanna-Zyklus«, Synchronerzählungen in sechs separaten Filmszenen mit insgesamt drei Protagonisten, in dem das Thema Identität und Verlust dieser behandelt wird. Der Johanna-Zyklus ist ein typischer Stand für M+M, die an der Grenze zwischen bildender Kunst und Film arbeiten und ihren Fokus in den letzten fünf Jahren auf eben diese filmischen Surround-Installationen legen. Im Anschluss an die Vorträge wurde zu einer offenen Frage- und Diskussionsrunde aufgefordert. Die Frage nach den stereoskopischen Stellen, den Schnittpunkten, zwischen den Vortragenden konnte hierbei nicht geklärt werden, da die Diskussion sich in Grundsatzgebiete der Wissenschaft verlagerte. Doch wurde die Fragerunde zu einem interessanten Austausch über Ästhetik, wissenschaftliche Wahrheit in der Fotografie, der Parallelität zwischen künstlerischen Tendenzen und der wissenschaftlichen Fotografie, und der Frage nach den Finanzierungsstrategien der künstlerischen Arbeiten.
Rachel Schmitt

\ Juli 1st, 2011
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Zu Gast im skop: Buchlabor der Fh Dortmund

Vergangenen Dienstag besuchte das Buchlabor der Fh Dortmund das skop, stellte sich vor und anschließend zur Diskussion über das Medium Buch bereit.

Das Buchlabor begreift sich vor allem als »Institut für Buchforschung« und ist daher bemüht durch Einblicke in fachverwandten Wissen-schaftsdisziplinen [Buchwissenschaft, Literaturwissenschaft, etc.] den Gestaltungsprozess am Buch zu bereichern. Weiterhin ist das Institut bemüht sowohl ein analoges als auch ein digitales Bucharchiv einzurichten, um so durch Sortierung, Kategori-sierung und Analyse buchrelevante, neue Inhalte zu erschließen. Im Spannungsfeld zwischen Librophobie und Librophilie soll das Medium Buch, auf Materialitäten genauso wie auf gestalterisch-herstellerische Aspekte als »narrative Struktur« untersucht werden: »Denn das Buch hat nicht umsonst seinen Stellenwert!«

\ Juni 28th, 2011
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skop präsentierte: cinemato skop

Am 6. Juni verwandelten sich die Räume des skop für einen Abend in einen Kinosaal. Thema des Filmabends: Wissenschaft im Film, genauer die Rolle des Wissenschaftlers im Film.

Nachdem jeder mit Popcorn und Kaltgetränken versorgt war, lief ab 20.00 Uhr eine neunzigminütige Filmcollage verschiedenster Klassiker aus insgesamt einem Jahrhundert Filmgeschichte über die Leinwand. Angefangen mit „Dr. Jekyll and Mr. Hyde“ (1912) ging es chronologisch mit Fritz Lang´s „Metropolis“ (1927), „The Fly“ (1958), „Jurassic Park“ (1993) und „Avatar“ (2009) von der Vergangenheit in die Gegenwart.

Otto-Peter Boller, Filmwissenschaftler der Universität Mainz, hielt im Anschluss an die Vorstellung einen Vortrag zum Stereotypen des Wissenschaftlers im Film. „Der Wissenschaftler hat eine Aufgabe zu lösen, es geht um die Manifestation seines Intellektes“, so Boller zum Stereotyp der 20er bis 30er Jahre, in Filmen wie „The Golem“ (1920) oder „It‘s Alive Frankenstein“ (1931). In den damaligen Filmen sei der Wissenschaftler die Verkörperung der Intellektualität und der Innovation gewesen, zugleich aber auch die Person, welche sich mit dem Dunklen, Verborgenen und Angsteinflößenden beschäftigt. „Das können wir uns nicht vorstellen, es sprengt unser Denken, unseren Geist“, erklärte Boller.
Am Beispiel des Zeichentrickfilmes „The Mad Doctor“ (1933) erläuterte Boller das Bild des Wissenschaftlers als verrückte, zerstreute und geniale Persönlichkeit, der „Mad Scientist“. Auch aktuelle Tendenzen wurden unter die Lupe genommen. So beschrieb Boller den Wissenschaftler der Gegenwart als Zweifler, der „das, was wir glauben zu wissen“ in Frage stellt. Eine Wissenschaft, die über dem Menschen steht und sich seiner bedient, die Maschine, welche den Menschen regiert wie in „The Matrix“ (1999) sei das Zukunftsbild der Wissenschaft, sagte Boller abschließend. Ein gruseliges Bild – zum Glück bisher nur auf der Leinwand – und ein schöner Abend im skop.

Verena Bruckmann

\ Juni 28th, 2011
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ikono skop präsentierte: PhD Ashish Karmacharya und M.Sc. Sascha Pihan

Gestern Nachmittag besuchten zwei Wissenschaftler das Untergeschoss der Markthäuser und präsentierten dort im Rahmen des Projekts ikono skop ihre Forschungsarbeit.
Ashish Karmacharya erklärte detailreich wie das Computerprogramm »ArchaeoKM« in Zukunft die Erfassung und Analyse archäologischer Ausgrabungsgebiete erleichtern soll. Sowohl ortsbezogenen Daten als auch archäologisches Fachwissen werden hierzu digital erfasst und abrufbar gemacht. Darüber hinaus ist das Programm intelligent, da es eigenständig Zusammenhänge erschließen und so neues Wissen generieren kann.

Sascha Pihan drang in seinem Vortrag zeichnerisch in die Welt der Nanopartikel vor. Er illustrierte live – mit Stift und Papier – seine Forschungsarbeit an Polymeren [Kunststoffe]. Durch Zugabe von Nanopartikeln können die Polymer-Eigenschaften beeinflusst werden und so beispielsweise die Kratzfestigkeit erhöht werden.
Mit dem gestrigen Doppelvortag schloss das Projekt ikono skop ab: Drei wissenschaftliche Hypothesen wurden über den Zeitraum von drei Monaten in Bilder übersetzt.

\ Juni 26th, 2011
\ mkostopoulos
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