Licht und Schatten

 

»Dieses Jahrhundert gehört dem Licht. Die Fotografie ist die erste Form der Lichtgestaltung, wenn auch in transponierter und – vielleicht gerade dadurch – fast abstrahierter Gestalt.«

 

Moholy-Nagy, László: Die beispiellose Fotografie. In: Das deutsche Lichtbild, 1927, S. XI

 

Licht und Schatten.
Licht und Schatten kreuzen sich nicht gegenseitig. Sie haben den gegenteiligen Charakter, aber sie existieren immer zusammen.
Licht und Schatten ergänzen sich. Licht und Schatten stehen sich gegenüber. Trotz dieses  bemerkenswerten Gegenteils gestalten Licht und Schatten zusammen ein neues Sehen.
Licht existiert nur durch Schatten – Schatten existieren auch nur durch Licht. (Chungbin Kim / 김청빈)

 

\ January 16th, 2019
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(Deutsch) struktur, textur, faktur

struktur

»die unveränderbare aufbauart des materialgefüges nennt man struktur, jedes material besitzt also struktur.«

 

textur

»die organisch entstandene abschlußfläche jeder struktur nach außen heißt textur.«

 

faktur

»faktur ist die art und erscheinung, der sinnlich wahrnehmbare niederschlag (die einwirkung) des werkprozesses, der sich bei jeder bearbeitung am material zeigt, also die oberfläche des von außen her veränderten materials.«

 

Moholy-Nagy, László: Von Material zu Architektur. Bauhausbücher Bd. 14, München 1929, S. 33

 

 

László Moholy-Nagy definiert im Bauhausbuch Nr. 14, das 1929 unter dem Titel »von material zu architektur« in der Reihe der Bauhausbücher erscheint, eine Terminologie für die Materialgefüge Struktur, Textur und Faktur. Von 1923 bis 1928 leitet er in Nachfolge von Johannes Itten den Vorkurs, in welchem er mit außerordentlichem pädagogischen Talent unter Berücksichtigung reformpädagogischer und wahrnehmungspsychologischer Konzepte Studenten anleitet, erste Erfahrungen mit dem Material zu machen. Einige dieser Erfahrungen manifestieren sich später in Objekten, die zu ikonischen Design-Klassikern des 20. Jahrhunderts avancieren.

 

\ January 9th, 2019
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(Deutsch) das material

»Im Atelier der Zukunft wird man grundlegend von der Eigenart der Elemente, des vorhandenen Materials ausgehen.«

Moholy-Nagy, László: Probleme des neuen Films. In: Die Form (Berlin), 7. Jg. Mai 1932, Nr. 5, S. 157

 

»Durch die richtige Ausnutzung des Materials kommt man zu der intensivsten Wirkungsmöglichkeit aller Erzeugnisse, ohne die Anwendung von fremden, der Funktion des Gegenstandes nicht zugehörigen Verschönerungsmitteln.«

Moholy-Nagy, László: Das Bauhaus in Dessau. In: Qualität, 4. Jg. März 1925, Nr. 5/6, S.81f

 

 

\ January 9th, 2019
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(Deutsch) die details

»die grenzen der fotografie sind nicht abzusehen. hier ist alles noch so neu, daß selbst das suchen schon zu schöpferischen resultaten führt. die technik ist der selbstverständlichste wegbereiter dazu. nicht der schrift-, sondern der fotografie-unkundige wird der analfabet der zukunft sein.«

Moholy-Nagy, László: fotografie ist lichtgestaltung. In Bauhaus (Dessau), 1928 Nr. 1, S. 2 ff.

 

»in der erweiterung des sehbildes ist selbst das heutige, unvollkommene objektiv schon nicht mehr an die engen grenzen unseres auges gebunden. kein manuelles gestaltungsmittel vermag ähnlich gesehene ausschnitte aus der Welt festzuhalten.«

Moholy-Nagy, László: fotografie ist lichtgestaltung. In Bauhaus (Dessau), 1928 Nr. 1, S. 2 ff.

 

1926 war das Bauhausgebäude in Dessau wie eine Insel mitten im Meer. Sobald man aber das Gebäude betrat, erlebte man ein ganz neues (Gegenstands-)Universum. Heute ist das Gebäude wie leer gefegt; nur ein Paar gut platzierte Gegenstände erzählen uns von der wechselvollen Geschichte des Bauhauses.

Wie in Filmen, in denen uns Detailaufnahmen dabei helfen die Hauptfiguren einer Handlung zu erkennen, hatten uns die Lampen, Stühle, Türgriffe und die in rot, blau, grau und gelb gestrichenen Wände angefangen Geschichten zu erzählen. Diese sind die eigentlichen Hauptfiguren einer Story, die unsterblich ist.

 

\ January 9th, 2019
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(Deutsch) die farben

»Eins ist aber sicher: Farbe aufzunehmen, Farbe zu erarbeiten ist für den Menschen eine elementare, biologische Notwendigkeit. Wir müssen annehmen, daß für alle Menschen gemeinsame, durch unseren fysiologischen Apparat bedingte Beziehungs- und Spannungsverhältnisse der Farben, Helligkeitswerte, Formen, Lagen, Richtungen bestehen.«

Moholy-Nagy, László: Malerei Photographie Film. Bauhausbücher Bd. 8, München 1925, S. 11-12.

 

 

\ January 9th, 2019
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(Deutsch) der blickwinkel

»Neue Sichten von oben, unten und in der Schräge, seine verschränkten Perspektiven stimulieren immer wieder räumliche Bewegungsgefühle.«


Andreas Haus (Das Neue Sehen. Von der Fotografie am Bauhaus zur subjektiven Fotografie, hrsg. von Rainer K. Wick, München, 1991, S.70 )

 

Neue Sichtweisen führen zu ungewöhnlichen und spannenden Bildkompositionen; sie wurden von Moholy-Nagy am Bauhaus eingeführt, indem er beim Fotografieren die Aufnahmehöhe veränderte und somit ein neues, räumliches Sehvermögen ermöglichte.

Es gibt unterschiedliche Aufnahmehöhen aus Sicht des Fotografen: die Normalsicht, die Aufsicht („Vogelperspektive“) und die Untersicht („Froschperspektive“). Wenn die Kamera und das Motiv auf gleicher Höhe sind, ist es die Normalsicht – der alltägliche Blickwinkel wird  eingefangen. Sobald die Kamera oberhalb des Motives ist, wird von der Vogelperspektive gesprochen. Objekte wirken kleiner. Im Gegensatz zur Vogelperspektive befindet sich bei der Untersicht die Kamera unterhalb des Motivs. 

 

 

\ January 9th, 2019
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